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Befragung Chefbuchhalter 3
Staatsanwaltschaftliche Befragung des ehemaligen Chefbuchhalters von Erffa 1
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   Dunkler Lesemodus


Gestern wieder ein Wirecard Tag im eiskalten München; Gerichtssaal von Stadelheim.

Da ich nach der Mittagspause gegen 14 Uhr ankam, habe ich eine weitere, vormittagliche Befragung des ehemaligen Wirecard Chefbuchhalters von Erffa durch den Richter nicht mitbekommen.

Dafür begann die Befragung durch die beiden Staatsanwälte kurz nach meinem Eintreffen mit einem Eklat.

Von Erffa wurde durch einen der beiden Staatsanwälte beschuldigt, mit, Zitat, "Zeugen des Verfahrens sich unterhalten zu haben", man laß von Erffa die entsprechenden Gesetze vor.

Der Wirecard Richter unterbrach das Verfahren kurz und meinte, "man werde prüfen, ob eine Haftprüfung nötig werde".

Der Staatsanwalt mahnte an, dass von Erffa am Tag zuvor sich auf dem Flur in der Pause mit einem öfter anwesenden Zuhörer unterhielt. Dieser Zuhörer wurde am 1. Prozesstag namentlich vom Richter genannt, es wurde damals im Dezember 2022 in der Runde gefragt, ob dieser Zuhörer und Wirecard Experte als Zeuge angegeben und vernommen werden sollte; alle verneinten dies.

Der Staatsanwalt gab nach mehreren Verteidiger-Einsprüchen an, dass dieser Zuhörer Dokumente an das Gericht schreibe und somit nun als Zeuge zu deklarieren sei, von Erffa wurde weiter befragt, ob er mit "dem Wirecard Dunstkreis Kontakt" habe, was für Unverständnis sorgte.

Nach diesem Eklat ging es weiter mit Fragen des Staatsanwaltes.

Zunächst wurden etliche Sachverhalte um Zahlungsanweisungen eruiert. Von Erffa teilte hier mehrfach mit, dass er keine Zalungen angeordnet habe. Was Liquiditätsangelegenheiten betraf, war er ebenso nicht dafür zuständig, sondern die Treasury Abteilung, hier also z.B. Frau Görres.

Der Wirecard Staatsanwalt warf mehrere Email-Konversationen auf, in denen er nun wegen CCs und Weiterleitungen an von Erffa nachweisen wollte, dass der Chefbuchhalter involviert war in Zahlungsentscheidungen, Rahmenverträge, Liquiditätsprüfungen und mehr.

Von Erffa erklärte zumeist durchaus glaubhaft und ziemlich plausibel, dass er sehr oft mit auf Verteilerlisten gesetzt wurde, damit das Accounting "mit informiert" war.

Für einige vom Staatsanwalt angemahnte, direkte Email-Anfragen an von Erffa, die der Wirecard Staatsanwalt für unpassend hielt, erläuterte der Chefbuchhalter weitgehend verständlich, offen und zumeist plausibel, warum er jeweils kontaktiert worden war.

So ging es bei den folgenden Fragen zu Wirecard Ad-Hoc Zahlungen, Cash-Pooling, Rahmenverträgen, Liquiditätsplanung, Monitoring, Darlehensverträgen, Loan Agreements - hier insbesondere von Ruprecht und der WUKI -, Introducer Agreements, Saldenbestätigungen, und mehr.

Der Staatsanwalt befragte auch von Erffa, wieviele Treuhandkonten es dessen Ansicht nach gegeben habe, worauf von Erffa antwortete 5. Der Staatsanwalt meinte, er hätte insgesamt 8 gezählt, von denen bei der oCap Vergabe von 100 Millionen Euro diese Konten missbraucht worden seien.

Von Erffa erklärte hier duetlich, dass es etliche Anwälte bei Wirecard gab, die auch diese Dinge zuvor nach Prüfung freigaben, dass auch die Wirtschaftsprüfer stets darüber wachten und er sich für die Zahlungen nicht jede Kontonummer anschaute, da man damals generell nicht von einem Betrug ausging.

An einer Stelle gab der ehemalige Chefbuchhalter an nachdem er vom Staatsanwalt und Richter angegangen wurde, Zitat:

"Ich versuche hier nach bestem Wissen und Gewissen zur Aufklärung beizutragen. Dies nach insgesamt 15 Jahren Wirecard, wo so im Sekunden oder Minuten Takt Dinge über meinen Schreibtisch liefen. Ich könnte hier auch ständig sagen, 'ich erinnere mich nicht'. Ich versuche die Fragen konstruktiv zu beantworten. Wenn Sie z.B. fragen, ob ich was mit Hermes (EMIF Deal) zu tun hatte und ich sagte nichts, bezog sich dies logischerweise auf den Kaufdeal, mit welchem ich nichts zu tun hatte. Später natürlich, als Hermes im Wirecard Firmenkonstrukt war, liefen logischer Weise buchhalterische Dinge mit Bezug dazu über meinen Schreibtisch. Letzltich kann ich in allen Antworten nie ganz ausschliessen, dass es nicht irgendwann einmal einen Kontakt gab. Ansonsten können Sie ja auch entscheiden, was ich antworten soll".

Gegen 16:30 endete die Vernehmung. Der Wirecard Richter forderte die Verteidiger von von Erffa auf, im Gerichtsaal zu bleiben.









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Dieser Artikel wurde vollständig verfasst und geschrieben von Martin Dorsch, akkreditierter, unabhängiger, investigativer Journalist aus Europa. Er arbeitet nicht für ein Unternehmen oder eine Organisation, das/die von diesem Artikel profitieren würde, er berät solche nicht, besitzt keine Anteile an diesen und erhält bis dato auch keine finanziellen Mittel von solchen.


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