achdem Anfang des 19. Jahrhunderts die allerersten Puzzlespiele von den ersten Fabriken verbreitet wurden, konnte wohl noch niemand ahnen, welchen Siegeszug spätere Puzzles in weltweiten Kinder- und Wohnzimmern erreichen würden. Angelehnt an die vermutlich während der Tang-Dynastie in China um das 4. Jahrhundert entstandenen
- einfache Puzzleformen zumeist aus Holz - produzierte ab 1813 die damals berühmte
kleine Puzzles als „Kopfzerbrecher im Taschenformat“ und vertrieb diese erfolgreich in alle Welt.
So manches Kopfzerbrechen bereitet der ganzen Welt auch die Geschichte des Nationalsozialismus in Deutschland, die wohl so um das Jahr 1905 begann, als Japan als erste asiatische Nation nicht nur einen Krieg gegen die weißen Kolonialisten gewann, sondern ein großes Stück Land in Russland, die Mandschurei, eroberte. Unverzüglich sandte das damals noch recht frische Kaiserreich mit bayerischer Unterstützung den Münchner Offizier
Karl Haushofer nach Japan, um dort die Dinge eingehend zu studieren. Haushofer blieb jahrzehntelang ein beliebter und hochangesehener Berater für hohe japanische Militärs, der wohl auch als einer der Ersten ab 1924 anriet, man solle von Japan aus die Pazifikinseln bis nach Hawaii – einschließlich des dortigen Flottenstützpunkts der USA, Pearl Harbor – erobern. Während Karl Haushofer mit seiner frühen Frauenrechtlerin Martha Japan bereiste, blieb Sohn Albrecht Daheim in Oberbayern, wo der kleine Albrecht sicher auch mit den neuen
Puzzle-Baukästen des königlich bayerischen Hoflieferanten Anker aus Rudolstadt spielte.
Kopfzerbrechen bereitete im Speziellen ein Befehl des zu dieser Zeit wohl an schweren Kopfdefekten leidenden deutschen Kaisers in Berlin.

Friedrich Ebert, August 1919 in Schwarzburg
Ende des Ersten Weltkriegs erlebte Deutschland die Revolution. Die Sozialdemokratische Partei (SPD) war treibende Kraft, nachdem sich Marinesoldaten in deutschen Häfen aufgelehnt hatten: Sie weigerten sich, kurz vor Kriegsende auf Anweisung des offenbar verrückt gewordenen deutschen Kaisers von feindlichen Schiffen versenken zu lassen. Der militärische Aufstand wurde schnell zu einer politischen Revolution, die den deutschen Kaiser in Berlin bald zwang, mit dem Auto in die Niederlande zu flüchten. Eine neue politische Republik ersetzte ab 1919 die vormals extrem pyramidale Ordnung mit dem Kaiser an der Spitze. Ironischerweise wurde die Verfassung dieser neuen Weimarer Republik nirgendwo anders unterzeichnet als während des Sommerurlaubs von
Friedrich Ebert und dessen Familie in den Thüringer Wäldern von Schwarzburg, nur einen Steinwurf vom Sitz des Kopfzerbrecher-Fabrikanten Anker in Rudolstadt entfernt.
Nicht überall war man angetan von der neuen politischen Realität der Weimarer Republik. Insbesondere die ehemaligen Offiziere des geflüchteten Kaisers
taten in den ersten Jahren alles nur Erdenkliche, um eine kaiserliche, aristokratische, unchristliche Ordnung wiederherzustellen. Dazu versammelten sich die Mehrzahl der wütenden, prokaiserlichen Militäroffiziere ausgerechnet in München. Unter dem Schutz des Münchner
Polizeipräsidenten persönlich und getarnt durch die
Bayerische Holzverwertungsgesellschaft wurden aus dem überwiegend katholischen Bayern Terrorakte gegen die neue politische Realität in Berlin organisiert. Zahlreiche Weimarer Republikaner wurden auch von Bayern aus schlichtweg ermordet; ein
deutschlandweiter Kapp-Putsch-Versuch, organisiert auch aus München, scheiterte nur knapp.
In dieser Zeit gelangte ein in Wien als Kunststudent mehrfach abgelehnter ehemaliger Soldat des Ersten Weltkriegs nach München. Adolf Hitler fühlte sich unter der
polizeilich geschützten 'Organisation Consul' und den wütenden kaiserlichen Offizieren in München wohl. So sehr, dass Hitler einen ersten Putschversuch zum Sturz des nun auch langsam in München angedockten weimarischen Geistes und des regionalen Parlaments im Herbst 1923 unternahm. Nachdem dieser scheiterte, fand in München ein monatelanger, von bayerischen Justizbeamten inszenierter Gerichtsprozess statt, der mehr eine Bühne für Hitlers ausschweifende Monologe war als ein Gerichtsverfahren. Der Prozess endete im April 1924 mit einer
sanften Festungshaft in Landsberg am Ammersee. Dort wurde Hitlers bester Freund Rudolf Heß in eine Nebenzelle einquartiert – mit offener Zimmertür, frischen Blumen, Bierlieferungen plus einer bayerisch bestellten Schreibmaschine. Auf jener tippte Rudolf Heß – nicht Adolf Hitler – das unsägliche Buch „Mein Kampf“, nachdem man den ganzen Sommer 1924 über mit niemand anderem als dem oben genannten Karl Haushofer wöchentliche Besuche in Landsberg arrangiert hatte. Haushofer unterrichtete jeden Mittwoch vormittags und nachmittags seine beiden Gefängnisschüler über geopolitische Allianzen, etwa mit Japan; sicher auch über Darwinismus und bestimmt auch über diesen oder jenen Aspekt der Genetik.

Karl Haushofer, ca. 1935
Regelmäßig wurde Karl Haushofer begleitet bei seinen Landsberger Kolloquien von seiner Frauenrechtlerin-Ehefrau Martha.
In diesen Monaten fügten sich endlich die letzten Puzzleteile in einem magischen Dreier-H-Eck zwischen Hitler, Heß und Haushofer zusammen. Nach 1945 wurde dieses Puzzle in tausende Stücke zerfetzt und fortan mit intellektuellen Tarnkappen so verdeckt, dass man es möglichst niemals wieder zusammenfügen konnte. Aber nun, nach gut 100 Jahren, sind die letzten Puzzleteile endlich ausfindig gemacht worden.
Die wenigsten sind sich darüber bewusst, dass das fundamentale Ziel der Nationalsozialisten nicht eine weltweite Zerstörung, Verwüstung, Massenmord und Totalitarismus war. Das weit über dem selbst eingeredeten „Endsieg“ liegende Ziel der Nazis war die Schaffung einer perfekten Gesellschaft, in welcher Krieg, Kriminalität, Verbrechen, Mord und Totschlag nicht mehr existieren sollten. Aus diesen Gründen wählte man zu jener Zeit unter Heß, Hitler und anderen den Begriff des "nationalen Sozialismus". Dieser Sozialismus wurde damals gerade durch niemand anderen als Lenin in Stein gemeisselt. Lenin hatte noch vor seinem Asyl-Aufenthalt in der Schweiz Karl Marx studiert. Er war der Überzeugung, dass der Kommunismus - eine utopische Gesellschaftsform, in der Kapital abgeschafft ist und in der jeder Mensch sich das nehmen könne, was er brauche - nur durch eine Übergangsform erreicht werden könne: den Sozialismus. Aufgabe des Sozialismus sei es nach Lenin, dass eine elitäre, sozialistische Elite den Rest einer Gesellschaft mehr oder weniger zeitnah in den Kommunismus führen solle.

Ironischerweise stellte Lenin nicht nur die philosophischen Grundlagen für fast sämtliche zukünftige Terrorregime und brutale Diktatoren weltweit bereit, sondern trug ebenso dazu bei, dass der deutsche Kaiser im November 1918 abdanken musste. Wie wir
heute durch lange Zeit verschlossene Dokumente wissen, hatte niemand anders als Wilhelm II. Lenin anfänglich massiv finanziell unterstützt. Man hatte in Berlin nicht nur Geld und Gold freigegeben, sondern ebenso arrangiert, dass Lenin in seinem versiegelten Zug von Zürich bis nach Petrograd in Russland kam. Hintergrund war, dass der deutsche Kaiser seinen Cousin, den russischen Zar Nikolaus II., politisch schwächen wollte.
Im Unterschied zu Lenin wollten die nationalen Sozialisten jedoch diesen perfekten Gesellschaftszustand nicht durch ökonomische Neuordnungen und eine utopische Abschaffung von Kapital errichten, sondern durch ihrer Ansicht nach knallharte Wissenschaft, die so um 1920 der Weisheit Ende erreicht habe - so war man damals tatsächlich überzeugt.
Lenin kam ihm dabei offenbar wie ein anfängliches Geschenk des Himmels vor. Als Lenin jedoch nach den ersten Revolutionswochen erkennen ließ, dass man keinerlei weiteres Interesse am deutschen Kaiser mehr habe, im Gegenteil die deutsche Matrosenrevolution von Russland aus begrüßte und die nächtliche Flucht Wilhelms II. von Berlin in die Niederlande bejubelte, war man in sämtlichen deutschen, aristokratischen Kreisen verständlicherweise furios über Lenin und dessen eigensinnigen Plot - eine Wut, die eigentlich bis heute andauert. Nicht sonderlich hilfreich beim in dieser Zeit eruptierenden Judenhaß in Mitteleuropa war zudem, dass ungefähr
die Hälfte aller Reisenden in Lenins versiegeltem Zug auf der Fahrt im April 1917 von Zürich nach Russland jüdischer Herkunft waren.
Ganz im Sinne eines völlig anders als bei Lenin gearteten Sozialismus kamen monarchietreue Kreise besonders im europäischen Alpenraum Anfang der 1920er Jahre dazu, einen sogenannten „nationalen Sozialismus“ auf ihre rot-schwarzen Fahnen zu schreiben. Schwarz für Nationalisten, die Farbe Rot für Sozialismus - mischt man beide Farben, erhält man Braun, die Standardfarbe für etliche Uniformen der Nazis. Auch die nationalen Sozialisten nahmen sich die philosophischen und praktischen Anleitungen Lenins zur Grundlage und verkauften weiten Teilen der Gesellschaft, dass man die Gesellschaft irgendwie ähnlich wie bei Lenin über eine leitende Elite in die perfekte Gesellschaft führen müsse. Im Unterschied zu Lenin wollten die nationalen Sozialisten jedoch diesen perfekten Gesellschaftszustand nicht durch ökonomische Neuordnungen und eine utopische Abschaffung von Kapital errichten, sondern durch ihrer Ansicht nach knallharte Wissenschaft, die so um 1920 der Weisheit Ende erreicht habe – so war man damals tatsächlich überzeugt.
Der Darwinismus war damals relativ neu, der genetische Grundbaustein eines jeglichen Lebewesens - die DNA oder Nuclein, wie man es damals nannte - war zwar
bereits 1869 entdeckt, aber erst in den 1900er Jahren bestätigt worden. Wissenschaftler und zahlreiche Eliten übernahmen recht kritiklos die Ansicht, dass die DNA eines Menschen nicht nur allbestimmend sei, sondern sich lediglich im Moment der sexuellen Reproduktion verändern und verbessern würde. Um die perfekte Gesellschaft zu errichten, in welcher Krieg, Verbrechen, Mord und Totschlag nun endlich überwunden seien, müsse man das Hauptaugenmerk auf einen perfekten genetischen Pool legen, so die Nazis. Man war vollends davon überzeugt, dass Männer und Frauen mit einem angeblich „schlechten Gen-Pool“ daran gehindert werden müssten, Kinder zu zeugen. Und als sozialistische Elite ganz im Sinne Lenins habe man dies nun mit voller Macht und Wucht zu implementieren, so die perverse Sicht damals.
Diese philosophische Grundlage war es, die schon bald nach 1933 industriellen Massenmord europa- und weltweit organisierte. Die teuflische Sicht war es, damals mit wissenschaftlicher Stütze vollkommen überzeugt gewesen zu sein, dass der genetische Grundbaustein verantwortlich sei nicht nur für das äusserliche Aussehen von Haut und Haar, sondern auch für das geistige Handeln und Wirken eines Menschen in der Gesellschaft. Heute wissen wir, dass dies vollkommen absurd ist. Wissenschaftler haben uns gezeigt, wie Viren die DNA eines Menschen aufbrechen und verändern können. Wir wissen heute, dass Menschen, die jahrelang unter traumatischen Verhältnissen leben müssen, eine veränderte DNA durch diese Lebensumstände erhalten. Ebenso teilen Wissenschaftler mit, dass Frauen, die einen starken Orgasmus erreichen, eine winzige Veränderung ihrer DNA-Struktur erfahren. Die DNA ist kein fixes Gebilde, das sich nach darwinistischem Irrsinn lediglich im Moment der sexuellen Reproduktion verändert. Das Gen ist kooperativ, interagiert mit zahlreichen Zellorganismen und verändert sich während des Lebens eines Menschen.
Lange Zeit wurde zudem der Menschheit wieder und wieder erklärt, dass der Sozialismus ausschließlich ein Vehikel von politisch linksgerichteten Kräften sei. Dies ist schlichtweg falsch, wie man an den nationalen Sozialisten erkennen kann. Ebenso ist das Urgespenst und der erklärte Erzfeind mit Namen Kommunismus - insbesondere in den USA der Nachkriegsjahrzehnte - weitgehend eine illusorische und im wahrsten Sinne utopische Ablenkung vom den totalitaristischen und diktatorischen Möglichkeiten, wie sie mit der Definition des Sozialismus erschaffen wurden. Weder Lenin, noch Stalin, Mao, Fidel Castro oder sonst einer der angeblichen "kommunistischen Herrscher" waren selbst wirklich daran interessiert,
einen utopischen Gesellschaftszustand zu erschaffen, in welchem sich jeder das nehmen könne, was gebraucht wird.
Es war der Sozialismus wie zuletzt durch Lenin geformt, welcher als philosophisches und gleichsam praktisches Vehikel brutaler Unterwerfung, politischer Verfolgung Andersdenkender und Unterdrückung der eigenen Bevölkerung sprichwörtlich in jede Ecke des Erdballs gelangte. Die in sich abgeschlossene Definition des Sozialismus als eilitär abgeschottete Quasi-Religion war es letztlich, welche durchweg als angeblicher Zwischenstatus auf dem Weg eines weit, weit entfernt liegenden,
utopischen "Kommunismus" - oder welchen gesellschaftlichen Paradieszustand auch immer - missbraucht, dabei stets als die eigentliche Permanentlösung angewandt wurde.
Sicher kennen die einen oder anderen die große Freude, die man erlebt, wenn man nach langer Zeit endlich das fehlende Teil eines gigantischen Puzzles irgendwo verstaubt in einer Ecke findet.