Die „Apfelbrei-Pause“ und der Richter mit dem Russland-Reflex (ein Moment, der perfekt zeigt, wie hier Stimmung gemacht wird)
WIRECARD PROZESS, 3. DEZEMBER 2025
Das Baby soll draußen seinen Apfelbrei bekommen, Zeugin und Mutter Michaela Krassl kümmert sich um den Kleinen.
Richter Markus Födisch nutzt die kurze Unterbrechung, um ein paar Verfahrensfragen zu klären. Die Verteidigung von Erffa hakt noch einmal nach wegen eines anonymen ProtonMail-Whistleblowers, dessen Absender man über ein Rechtshilfeersuchen finden will. Födisch lehnt sich ins Mikrofon, mit hörbarem Spott in der Stimme, und lässt diesen Satz in den Saal fallen:
„Die sitzen ja jetzt in der Schweiz, nicht mehr in Russland.“
Kein Schreien, aber laut und deutlich, sodass es auch die letzte Reihe noch mitkriegt. Ein paar im Publikum lachen kurz auf – der Punkt sitzt.
Nur: ProtonMail war noch nie in Russland !
Gegründet 2014 von CERN-Wissenschaftlern in Genf, immer Schweiz, immer Schweizer Server, immer Schweizer Recht. Null historische Verbindung zu Russland – zu keinem Zeitpunkt.
Födisch legt gelangweilt nach (wie schon mehrmals im Frühjahr 2025 bezüglich Schweizer Zeugen zu den 340 Millionen Euro die man dort aus Wirecard heraus bugsierte) und erklärt der Verteidigung mit fast müder Stimme wieder einmal, dass ein Rechtshilfeersuchen an die Schweiz sowieso sinnlos sei. Man habe das ja bereits geklärt: Bei ProtonMail könne man „nicht viel machen“. Es habe ohnehin keine aktuellen Logins gegeben. Und falls doch jemand eingeloggt sei, dann natürlich mit VPN – „dann ist eh alles vorbei“.
Dieselbe Leier wie im März und April: Schweiz = schwarzes Loch, Thema erledigt.
Dabei wäre die naheliegendste Frage nie gestellt worden: Wenn es tatsächlich Logins gab – warum fragt man nicht einfach die betroffenen VPN-Anbieter (die meist außerhalb der Schweiz sitzen) nach den zugehörigen IP-Adressen?Aber nein, das Thema ist für den Richter schon beendet, bevor es richtig begonnen hat.
Ein einziger, bewusst gesetzter Halbsatz plus ein müder Monolog – und schon ist im Saal wieder die Botschaft angekommen: Anonyme ProtonMail-Mails = zwielichtige Sache, wahrscheinlich russisch inspiriert, und sowieso nie aufzuklären.
Während das schlafende Kleinkind draußen endlich friedlich einschläft, hat Richter Födisch mal wieder gezeigt:
Manchmal reicht ein kleiner, gezielter Seitenhieb, um das Narrative für den ganzen Tag vorzugeben.
Und die Schweiz darf weiter als undurchdringliche Mauer herhalten – obwohl sie es bei ProtonMail tatsächlich ist, nur eben nicht aus den Gründen, die hier suggeriert werden.
#Wirecard #Justizskandal