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Mitglied des Aufsichtsrates
Zeugenvernehmung der ehemaligen Aufsichtsrätin Tina Kleingarn
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Täglich grüßt der Wirecard Gerichtssaal in München-Stadelheim, und es war kalt draussen.
Heute wurde die ehemalige Aufsichtsrätin Tina Kleingarn vernommen.

Tina Kleingarn saß von Sommer 2016 bis Herbst 2017 im Aufsichtsrat von Wirecard.

Sie wurde in den Massenmedien als "verspätete Heldin" bezeichnet nach ihrem Auftritt Ende 2020 im U-Ausschuss, wo sie als einzige am selben Tag mit Dr. Braun aussagte.

spiegel.de/wirtschaft/unt ...

Die heutige Vernehmung im Münchener Wirecard Gerichtsaal zeichnete ein etwas anderes Bild von Tina Kleingarn, als der spektakulär-medial-inszenierte und massenhaft-narrativierte Auftritt in der Berliner Arena vor gut 3.5 Jahren.

Es wurde das Kündigungsschreiben der Wirecard Zeugin von 2017 auf den Projektor geworfen.

Darin heisst es an den Aufsichtsrat gerichtet(!) u.A.:

"Wie ihr wisst, habe ich erhebliche Zweifel am Kompetenzprofil des designierten Finanzvorstandes. Dass Verbesserungspotenzial besteht wurde mir mit den Prüfvorgängen zum Konzern und Jahresabschluss 2016 bewusst. Mir ist es unverständlich, wie nachdem Euren [AR] Schilderungen zufolge bereits im Abschluss 2015 ein uneingeschränktes Testat nur knapp erreicht wurde, das Testat für 2016 erneut nun in letzter Minute uneingeschränkt erteilt wurde."

Das von den Massenmedien Ende 2020 als angeblicher "Brandbrief" bezeichnete Schreiben der Wirecard Zeugin führt weiter auf, Zitat:

"Mein wiederholtes Drängen nach Aufarbeitung des Prüfungsverlaufs 2016 haben wir [AR !] selbst ein knappes Jahr nach Bilanzsitzung noch nicht mit dem Vorstand ausreichend besprochen."

Weiter heisst es in ihrem angeblichen "Brandbrief" an den Wirecard Aufsichtsrat gerichtet:

"Dem Vorstand muss klargemacht werden, dass eine angemessene Zusammenarbeit mit den Abschlussprüfern keine von außen aufgezwungene Last ist, sondern den Unternehmensinteressen dient. Die Prüfung darf nicht als nuisance wahrgenommen werden, sie ist vielmehr ein bewährter Prozess um sicherzustellen, dass die Ergebnisrechnung des Unternehmens die tatsächlichen Verhältnisse widerspiegelt."

Offensichtlich war es des öfteren ein Problem, dass "dem AR Kreditbürgschaften vorgelegt wurden, deren Kredite, wie sich jüngst herausstellte, bereits Wochen zuvor ausbezahlt wurden".

Dies schien auch an Wirecard Unternehmens-Strukturen und am AR gelegen zu haben, wo man ggf. solche Kredite zu lange hinauszögerte.

Tina Kleingarn war insbesondere mit Matthias Wulff in Kontakt, der sich öfter mit CFO Ley, CEO Braun und mit den Prüfern von EY besprach.

Laut Tina Kleingarn wurden die Sachverhalte um das Indien-Projekt um Hermes geprüft durch EY, der Vorstand habe die Wirecard Untersuchung beauftragt.

Da es um finanzielle Sachverhalte ging, schied Ley als Projektbeauftragten aus, Marsalek wurde deshalb mit der Untersuchung beauftragt.

Ihr zufolge dauerte die Informationsbeschaffung bis zu ihrem Ausscheiden "ewig", Anfragen wurden verzögert, es gab falsche Infos.

Sie empfahl, dass die Wirecard "Organisation besser aufgestellt werden muss" in ihrem Schreiben.

Ob sie wisse, wer hinter dem berühmten Mauritius-Fond EMIF stand in der 'Projekt Ring' Angelegenheit um Hermes Ticket, ob dies diskutiert wurde, wurde vom Richter angefragt?

"Weiss ich nicht mehr genau", antwortete die ehemalige Aufsichtsrätin und Wirecard Zeugin Tina Kleingarn nach längerem Überlegen.

Laut Aussagen von Tina Kleingarn vor dem Gericht, die von 2016 bis 2017 im AR saß, sah sie "keinerlei Anzeichen von Betrug bei Wirecard", weshalb sie nach ihrem Brief auch offenbar keinerlei Anzeigen stellte.

Es "materialisierten sich Risiken" für sie, sie sah bei der irregulären Kreditvergabe eine, Zitat, "Gefahr, dass Kredite nicht zurückgezahlt werden".

Ob der Wirecard AR involviert wurde in Kreditrahmenverträge, ob der AR unterschreibungs-verpflichtigt gewesen sei, ab welchen Beträgen, wurde sie befragt.

Dies sei geregelt gewesen in der Wirecard Geschäftsordnung, genaue Beträge konnte Sie erst durch Dokumente bestätigen, die der Richter auf den Diaprojektor warf, so ab 10 Millionen Euro.

Erinnern konnte sich die Wirecard Zeugin allerdings sehr gut daran, dass, Zitat, "mein Mietvertrag z.B., da wusste ich gar nicht, wer dafür bei Wirecard zuständig war".

Ob die interne Revision ihrer Ansicht nach ausreichend ausgestattet war, habe sie Verbesserungen vorgeschlagen, für die Finanzabteilung habe sie das ja getan ? "Für die innere Revision erinnere ich mich nicht", antwortete die Wirecard Zeugin.

Ob es eine Compliance bei Wirecard gab wurde sie befragt. Nach längerem Zögern sagte sie: "gehe davon aus, ja".

Wie sie wahrgenommen habe, dass Mitarbeiter Steinhoff aus der Rechtsabteilung dass so mitgemacht habe in ihrer Zeit ? "Wurde nicht im Aufsichtsrat besprochen".

Ob sie den Begriff Guidance im Sinne von Umsatzprognosen kenne, ob solche Prognosen im AR besprochen wurden ? Diese wurden dem Wirecard AR ab September 2015 zugestellt. "Ja, solche monatlichen Berichte sagen mir was", antwortete die Zeugin.

Ob die 'Wirecard Vision 2020' Prognose von 2016 ihr etwas sage ? "Kann mich nicht genau erinnern".

Ob das Wirecard Drittpartnergeschäft TPA ein Thema im AR in ihrer Zeit gewesen sei ? "Ja, dies ist mir bekannt", es war für sie nach einer Präsentation von Jan Marsalek von November 2016 recht schnell klar, dass die zu erwartenden Gewinne dort einen wesentlichen Anteil am Gesamtgewinn des Unternehmens ausmachen sollten.

Die Marsalek-Präsentation von 2016 wird auf den Projektor geworfen. Eine illustre Liste von Partnern mit Firmenlogos wird vom Richter eruiert. Ob sie einige dieser Drittpartner kennen würde ? "Eher nicht, der eine oder andere vielleicht".

Der Zeugin fällt erst nach konkreten Hinweisen des Richters auf, dass sich die Firmenlogos von Senjo, Al-Alam und PayEasy mit im Logo-Pool befinden.

Auch das Logo von Allied Wallet ist darunter.

Die Wirecard Drittpartner-Präsentation von 2016 auf dem Gerichtsprojektor listet folgendes:

*Onsite visits by EY and regular visits by Wirecard staff
*Annual review of partner financials
*Audit of partners by Big4 partially in place already
*Continuous review and certification of risk profiles by dedicated staff

Tina Kleingarn wurde gefragt, ob sie sich erinnere, wie man im AR die Prüfung des Wirecard Jahresabschlusses von 2016 durch EY besprochen habe.

Wurde das Drittpartnergeschäft dort eruiert ? "Ich kann mich erinnern, dass das Drittpartnergeschäft dabei war".

Wurde ihnen gesagt, wie viele Drittpartner es gab, mehrere oder nur drei ? "Kann mich erinnern, dass es eine Aufstellung gab".

Ob Treuhandkonten ein Thema waren ? "Ja, diese wurden thematisiert".

Ob sie angeben könne, warum man überhaupt Wirecard Treuhandkonten einführte, wozu gab es diese ? Haben sie den Begriff nie in Frage gestellt, fragt der Richter ?

Tina Kleingarn überlegt lange, ist sichtlich ermüdet und sagt nach langer Pause dann: "Boah....können Sie die Frage nochmal wiederholen ?"

Es wurde dort doch Geld verbucht, was hat EY dazu gesagt ? "Weiss ich nicht mehr."

Ob sie wisse, wieviele Wirecard Mitarbeiter es beim Drittpartnergeschäft gab, ob der Name Bellenhaus ihr etwas sage:

"Uns wurde mitgeteilt, dass das TPA Geschäft unter dem Vorstand angesiedelt war und von dort gemanaged wurde.....Bellenhaus wurde mir beim Onboarding mit vielen weiteren Schlüsselmitarbeitern vorgestellt, danach kaum Kontakt gehabt, glaube der war in Asien angesiedelt."

Oliver Bellenhaus sitzt keine 7 Meter links von ihr.

Ob dieser Bellenhaus vielleicht etwas mit dem Wirecard Drittpartnergeschäft zu tun hatte, wurde sie vom Richter gefragt: "Keine Ahnung, war mir nicht bekannt, er arbeitete unter Jan Marsalek".

Als es um die Wirecard Vergütungen des Vorstands und der Manager ging, wusste Zeugin Tina Kleingarn plötzlich jedes kleinste Detail. Die Festvergütung war durch Vorstandsverträge geregelt, dazu gab es einen Bonus.

Es wurde ihrer Angaben nach eine externe Firma mit Namen 'HKP' herangezogen, die "horizontale Industrievergleiche von Manager-Vergütungen" für den AR bereitstellte.

Wo die Firma HKP basiert sei: "Frankfurt". Wie der oder die AnsprechpartnerIn dort hiess: "Frau Siegmann".

Es wurde kurz der Zatarra-Bericht von 2016 angesprochen, hier behauptete die in 2020 massenmedial-proklamierte "verspätete Heldin" des Wirecard Skandals, dass der Zatarra-Bericht vor ihrer Zeit "im März 2016 war", da sie, Zitat, "ab April 2016 erst im Aufsichtsrat war". Somit wurde sie damit nicht sonderlich konfrontiert, es wurde durch AR und Vorstand als Shortseller-Attacke deklariert.

Besonders Wulf Matthias hatte die Furcht, dass der Aktienpreis des Unternehmens leiden würde.

oCap wurde kurz besprochen, ebenso die Kreditvergabe in Dezember 2017.









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Dieser Artikel wurde vollständig verfasst und geschrieben von Martin Dorsch, akkreditierter, unabhängiger, investigativer Journalist aus Europa. Er arbeitet nicht für ein Unternehmen oder eine Organisation, das/die von diesem Artikel profitieren würde, er berät solche nicht, besitzt keine Anteile an diesen und erhält bis dato auch keine finanziellen Mittel von solchen.


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