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PR Managerin
Zeugenvernehmung der ehemaligen PR Managerin Jana Hilz
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Gestern, am 11. April 2024, wurde die ehemalige Leiterin der PR-Abteilung von Wirecard, Jana Hilz, vor dem Amtsgericht München-Stadelheim vernommen.

Sie stand in häufigem Kontakt mit dem ehemaligen Vorstandsvorsitzenden Dr. Markus Braun und vermittelte zwischen dem Vorstand und den vielen Medienanfragen.

Die Zeugin Hilz wurde vom vorsitzenden Wirecard-Richter auffallend lang und exorbitant befragt. War sie direkt an den Jahresberichten beteiligt? Nicht im Detail, aber sie wurde natürlich vom Vorstand und anderen Managern über diese Dinge informiert.

Für sie standen eher die wichtigen Neukunden im Vordergrund, z.B. im Bereich Handel, wenn große Konzerne wie Lidl und Aldi von Wirecard als Kunden gewonnen werden konnten.

Die Wirecard-Zeugin erwähnte, dass ihr Fokus auch darauf liege, einige der "hohen Margen" bei einigen Kunden zu schmälern, was die Richterin sofort intensiv hinterfragte.

J. Hilz wurde gefragt, ob sie von dem Drittgeschäft im Besonderen wusste.

Sie antwortete, dass sie natürlich das weitergegeben habe, was ihr auf verschiedenen Ebenen im Vorstand erklärt worden sei.

Die Richterin befragte sie auffällig oft und wiederholt und versuchte, für alle im Gerichtssaal sichtbar, auf dem Thema herumzureiten. Der Richter schien zu versuchen, etwas aus dem Zeugen herauszubekommen, was nicht hätte sein können.

Was die Third-Party-Partners betrifft, so ließ sich Marsalek die Antworten von Wirecard für die Medien oft von ihm persönlich übermitteln.

Manchmal wurden solche Medienantworten natürlich auch in größeren Konzernbesprechungen zusammengestellt.

Es gab auch eine Investoren-PR-Abteilung, sozusagen als Schwesterabteilung, in die sie weniger involviert war. Beide Abteilungen koordinierten natürlich ihre Nachrichtenübermittlung.

Der vorsitzende Wirecard-Richter versuchte auch, der Zeugin Jana Hilz etwas über ihre PR-Berichte zu den Zukunftsaussichten des Unternehmens, der so genannten "Vision 2025", zu entlocken.

Als PR-Vertreterin wurde sie natürlich auch hier von anderen informiert - in einer für das Unternehmen vorteilhaften Weise, um die Botschaft in die Öffentlichkeit zu tragen.

Ähnlich war es bei Fragen zum Zatarra-Bericht ab 2016, Projekt Ring, der Hermes-Affäre, Rajan-Tahn-Bericht, dem Softbank-Deal.

Der Wirecard-Richter versucht nun offen-aggressiv aus der Zeugin Hilz herauszubekommen, dass sie durch bewusste Falschangaben, insbesondere durch ihren ehemaligen Chef Dr. Markus Braun, gezwungen wurde, PR-Berichte in krimineller Weise zu fälschen.

Die Richterin scheint noch nie in einem großen Unternehmen gearbeitet zu haben, ist es doch gerade die Pflicht und Aufgabe von PR-Managern, ein positives Bild des Unternehmens nach außen zu präsentieren.

Diskutiert wurden diverse Excel-Listen mit Wirecard-Finanzdaten, die von der @FT ab Mitte 2019 veröffentlicht wurden - teilweise sogar offen abrufbar auf der FT-Website ab Oktober 2019 oder so.

Der Wirecard-Zeuge Hilz erläuterte, wie die Antworten des Vorstands, auch von Dr. Braun und Marsalek, lauteten, dass die zumeist von der FT veröffentlichten Listen und Dokumente - die im Laufe der Zeit in Zahl und Qualität stetig und verdächtig zunahmen - als "unrichtig und falsch" dargestellt wurden.

In diesem Zusammenhang war es etwas bizarr, wie später im Gericht einer der beiden Hilfsrichter den Zeugen zu einer Anfrage von Dan McCrum vom 25. April 2019 befragte, in der der FT-Heldenjournalist McCrum den Wirecard-Mitarbeiter Zitzmann darauf hinwies, dass, Zitat, "Ihre Listen falsch sind".

Die Wirecard-Zeugin JT schildert weiter, wie sie gegen Ende des Jahres 2019 zunehmend mit so vielen geleakten Listen und Dokumenten der Mainstream-Medien konfrontiert wurde, dass sie ihre Arbeit nicht mehr fortsetzen wollte und auch nicht mehr konnte.

Sie sah sich insbesondere mit Versuchen der Schadensbegrenzung durch den Vorstand konfrontiert, der weiterhin darauf beharrte, dass der wachsende Stapel öffentlich zugänglich gemachter Dokumente und Listen "nicht authentisch" sei.

Für sie wurde diese Rechtfertigung unter dem Druck der externen Massenmedien nicht mehr akzeptabel, insbesondere als die Qualität der durchgesickerten Dokumente allmählich zunahm.

Sie ließ sich Ende 2019 beurlauben und wurde Anfang 2020 in die Marketingabteilung von Wirecard versetzt.

Der Wirecard-Richter fragte daraufhin auffällig, wie der ehemalige CEO Dr. Braun auf ihre Entscheidung, Ende 2019 zu kündigen, reagiert habe.

Das muss ihn "wie ein Hammer getroffen haben, hat er etwas gesagt wie: Dann geh doch einfach?" , fragte die Richterin JT.

Der Zeuge Hilz antwortet ruhig und durchweg freundlich, dass Dr. Braun im Gegenteil. Braun hatte versucht, sie zu überreden, im Unternehmen zu bleiben.

Der Richter wirkte auch etwas zu aggressiv und drohend, als er erwähnte, dass Susanne Steidl(?), nachdem der Zeuge Wirecard mit ihr besprochen hatte, in die Marketingabteilung zu wechseln, dann irgendwann Anfang 2020 eine Bonuszahlung von mehreren 1000 Euro erhielt.

Etwas skurril wurde es auch, als ein anderer der tewo-Wirecard-Richterassistenten die Zeugin JT fragte, was passiert sei, als die Münchner Süddeutsche Zeitung im September 2019 eine Anfrage stellte.

Sie berichtet, wie die Antwort an die SZ von einem Sprecher von Jan Marsalek überbracht wurde, sie sei übergangen worden.

Die Hilfsrichterin fragte dann, ob sie sich an diesen Sprecher von Jan Marsalek als einen gewissen "Enderle" erinnere. Hilz verneint dies und sagt, sie habe keine Kenntnis von diesem externen Marsalek-PR-Sprecher oder -Vertreter.

Der Verteidiger von Dr. Braun fragte daraufhin die Wirecard-Zeugin, wie sie Jan Marsalek persönlich erlebt habe.

Sie antwortete: "Zurückhaltende, freundliche, korrekte Ausdrucksweise war ihm immer wichtig, deshalb war er auch oft an der Formulierung von Texten beteiligt."

Der Verteidiger von Dr. Braun fragte die Wirecard-Zeugin JT auch, wie sie die Aussage von Frau Stöckl sehe, Marsalek wolle "eine neue Wirecard aufbauen".

Hilz sagt, sie habe davon nicht viel gehört, ihr sei erst ab 2019 aufgefallen, dass Marsalek immer öfter in der Firmenzentrale sei, während er vorher viel unterwegs gewesen sei.

Allerdings sei er nur selten in seinem Büro anzutreffen und offenbar "immer mit etwas anderem beschäftigt".

Ihr Gefühl und allgemeiner Eindruck war, dass er eher in einer Parallelwelt lebte, er hatte oft Kontakte zu Leuten außerhalb von Wirecard, die ihn mit Informationen versorgten, so JT.

Ein anderer Anwalt befragte die Zeugin dann über die Zeit nach der Wirecard-Insolvenz im Juni 2020.

Jana Hilz war bis Oktober 2020 bei Wirecard beschäftigt, sie arbeitete in der internen Kommunikationsabteilung und war damit eine der letzten, die nach der Insolvenz die eigenen Mitarbeiter unterstützte und informierte.

Sie wurde gefragt, ob sie Informationen über den Zusammenbruch des Unternehmens erhalten hat, wie sie die Katastrophe in den Monaten nach der Insolvenz erlebt hat, ob sie Informationen angefordert oder erhalten hat, ob sie oder andere den Zusammenbruch des Unternehmens in irgendeiner Weise in Frage gestellt haben.

Die Wirecard-Zeugin JT antwortete, dass sie, wie alle anderen auch, nur aus der [Mainstream-]Presse Informationen über den Zusammenbruch des Unternehmens erhielt.

Außerdem war es die Hochphase der COVID-Zeit, Homeoffice war für die meisten der verbliebenen Wirecard-Mitarbeiter obligatorisch, sie arbeiteten nicht Seite an Seite in einem einzigen Bürogebäude.

Schließlich ist anzumerken, dass es, wie schon bei anderen Zeugen zuvor, erhebliche Unterschiede zwischen den schriftlichen Zeugenvernehmungen aus den Jahren zuvor, die von Zeit zu Zeit vor Gericht verlesen wurden, und den Live-Aussagen wie denen von gestern gab.

Die von Wirecard-Kommissaren und/oder Staatsanwälten aus München zusammengetragenen schriftlichen Zeugenaussagen meist aus der Zeit um 2020 einerseits und andererseits der Eindruck der Zeugin als Person, sowie ihre Aussagen hier vor Gericht Jahre später waren teilweise extrem unterschiedlich.









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Dieser Artikel wurde vollständig verfasst und geschrieben von Martin Dorsch, akkreditierter, unabhängiger, investigativer Journalist aus Europa. Er arbeitet nicht für ein Unternehmen oder eine Organisation, das/die von diesem Artikel profitieren würde, er berät solche nicht, besitzt keine Anteile an diesen und erhält bis dato auch keine finanziellen Mittel von solchen.


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