Heute wieder eine Vernehmung einer Zeugin im Münchener Stadelheim-Gerichtssaal: ehemalige Wirecard Vertriebsleiterin Sandra Hyding.

Zeugin Hyding, die als Leiterin für den Wirecard Vertriebsinnendienst - also bezüglich internen Anforderungen von neuen Kunden - zuständig war, wurde eine Reihe von Sachverhalten befragt.
Hyding, die zumeist unter Frau Häuser-Axner angeordnet war, wurde regelmässig über Neukunden und deren Anforderungen in Email-Konversationen mit Marsalek und Frau Steidl eingebunden.
Sie forderte u.A. Dokumente an, die für eine Aufschaltung von neuen Kunden notwendig waren, sie war auch bei der technischen Einbindung an die Wirecard Systeme behilflich.
Auf die Frage, ob sie ein freundschaftliches Verhältnis mit Oliver Bellenhaus hatte, verneint sie. Später erklärt sie, dass sie aber zu dessen Geburtstagsfeier mit anderen eingeladen wurde.
Wirecard
Sie wird nach Grüppchenbildung innerhalb von Wirecard gefragt, worauf sie mehrfach nachfragen muss, was "mit Grüppchenbildung gemeint" sei. Richter zitiert eine Zeugenaussage, wonach Häuser-Axner mit M'wabeni zum Beispiel den Kern einer Gruppe bildete. Sie hätte dies halbwegs so erlebt.
Auf die Frage, ob sie mit Kunden oder Wirecard-Mitarbeitern im P1 gewesen sei, meint sie "ich kann mich nicht erinnern", sie war aber sei aber nach dem P1 regelmässig mit Kunden zur Wiesn gepilgert.
Ob sie mit diesen oder jenen Kunden auf dem Oktoberfest 2010 gewesen sei ? "Keine feste Erinnerung, es waren so viele Kunden".
Sie war persönlich im Hause von Marsalek, Bellenhaus, Häuser-Axner, Sabine Weidenthaler.
Auf die Frage weshalb sie von Bellenhaus persönlich eingeladen wurde, antwortet sie lächelnd, "vielleicht weil ich nett bin und eine Bereicherung für die Geburtstagsgruppe war".
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Wirecard Richter wird danach etwas ungehalten und meint, die Zeugin würde hier nicht richtig die Fragen beantworten.
Sie wird nach weiteren informellen Treffen befragt. Sie gibt an, dass der Vertrieb anfänglich um 2005 in drei Sparten unterteilt war: Travel, Digital, Retail.
Auf die Frage, ob es eigentlich einen Vertriebsvorstand bei Wirecard gab, sagt sie, "weiss ich nicht".
Ob man einen Vertriebsvorstand einführen wollte damals, sagt sie: "Nein". Auf die Frage, was die Vertriebsstruktur in Asien war, antwortet sie, "Produkte, Acquiring, Issueing, was genau da weiss ich aber nicht".
Sie benennt einige Vertriebsmitarbeiter wie Fuchsan, Jeffrey Ho. Viele Mitarbeiter auf dem Vertriebsorganigramm kannte sie nicht.
Ihre Rolle war beim Relationship Management angeordnet, es gab noch die Vertriebssparten Business Development, Sales Operations und Projekt Management.
Ob es einen aktiven Aufwand gab, Kunden zu generieren. Antwort: "Glaube schon, weiss nicht mehr genau". Fokus sei auf das Wirecard Projekt Aslam zumeist gewesen in ihrer Rolle.
Ob sie einen großen Kunden für den Bereich Wirecard Digital benennen könne: "Habe keinen parat derzeit". Ob sie die 3 grossen TPA Senjo, PayEasy, Al-Alam kenne: "Hatte ich von gehört".
Sie war dann in Brasilien eingesetzt und hat dort die Geschäftsentwicklung mit betreut.
Verschiedene Abwicklungen des Wirecard Geschäfts werden eruiert, mit externen Banken, Acquierern, die Wirecard Software nutzten oder nicht nutzten, etliche Kombinationen von Geschäftsmöglichkeiten.
Auf die Frage wo sie jetzt arbeite, antwortet sie: bei Visa.
Von den Wirecard Treuhandkonten habe sie nicht viel gewusst, es aus der Presse erfahren. Ob sie von den Problemen mit Visa um 2012 etwas mitbekommen habe: "Nein, nicht wirklich".
Ob ihr ein gewisser James Bergman bekannt sei, der auf einigen Email-Konversationen mit ihr erscheint, verneint sie ebenfalls.
Ob sie wisse, dass es Wirecard's PayEasy in mehreren Versionen gab, ob die Eignerstruktur ihr bekannt gewesen sei, ob die JLF Entertainment kenne: "Nein".
Sie kannte aber einen Acquirer aus Island.
In einer Email von Christopher Bauer von August 2011 schlägt dieser folgende Partner-Banken als MDI für Adult und Gaming vor:
People Bank Canada - Settlement CND only
First Data - Acquierer an Plattform angebunden
Fifth Bank
Orion Bank
St. Kitts National Bank
Choice Bank
Sagen ihr nichts. Sie kenne Credowax, Atlas nicht.
Warum man Partnerschaften mit Banken machte obwohl es eine eigene Wirecard Bank gab: "weiss ich auch nicht genau".
Ob sie Manboopay kenne ? "Nein".
Ob sie wisse was eine Wallet sei: "nicht richtig".
Ob sie wisse, dass ein Wirecard Mitarbeiter mit Namen Arnold Marcellana die Domäne für manboopay erworben hatte ? "Nein".
Ob sie wisse, dass Manboopay später zu PayEasy hinzugefügt wurde ? "Nein".
Ob sie wisse, dass für den ihr bekannten Acquirer in Island "Borgun" White-Label Lösungen angeboten wurden ? "Nein".
Ob sie wisse, was eine "Independent Sales Organsiation" (ISO) sei: "Nein".
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Ob sie wisse, dass Alexander Herbst Kundenportfolios an Wirecard verkaufte, die mit Kunden von Jan Marsalek angereichert wurden und von denen laut Verkaufsprojektionen so 80% nichtige Gewinne für Wirecard zu erwarten seien ? "Nein".
Sie erzählt, dass sie ein in Brasilien nur dort verfügbares Zahlungssystem mit Wirecard verbunden hätten.
Sie kannte das MCA Geschäft dort.
Von oCpa hat sie aus den Zeitungen erfahren.
Ob sie virtuelle Konten kenne: "Nicht bewusst".
Aus Zeitgründen konnte ich heute nur die Fragen des Richters miterleben. Es folgten mir nicht bekannte Fragen und Antworten der StA und der Verteidigung.