Heute war ein weiterer Verhandlungstag im Wirecard-Strafprozess. Als Zeuge trat Felix Schütze auf, der ab 2019 bei der Wirecard Bank mit der Bewertung und Kontrolle von Darlehen und Kreditlinien betraut war.
Etwa drei Monate nach seinem Dienstantritt wurde Schütze nach Singapur geschickt, um die Einrichtungen von oCap zu prüfen. Ein schriftlicher Bericht der lokalen Manager, der widersprüchlich ausfiel, veranlasste den vorsitzenden Richter, ausführlich auf diesen Punkt einzugehen.
Der Richter rief den Zeugen laut an, nachdem dieser eigene Meinungen geäußert hatte.
Zu Beginn seiner Aussage erklärte Schütze, er sei mit der schriftlichen Stellungnahme des Anwalts Zeidler von Dunn & Gibson unzufrieden gewesen. Die Kanzlei war nach der Insolvenz von der Wirecard Bank beauftragt worden, eine Untersuchung – auch für die Sondereinheit der Polizei – durchzuführen. Nach der Lektüre von Zeidlers Bericht engagierte Schütze einen eigenen Rechtsanwalt und sandte Korrekturen an Dunn & Gibson, erhielt jedoch keine Antwort.
Der Zeuge wurde insbesondere zu oCap-Darlehen und verschiedenen anderen strategischen Kreditlinien befragt. Er erwähnte Turki, einen Bekannten von Wexeler, der direkt in einige Kreditentscheidungen eingriff.
Schütze bezog sich auch auf Vucak, den Eigentümer von IMS Capital. Dieser habe ihn in Schützes Büro angerufen und dabei betont, er "sei wichtig für Wirecard".