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Das ProtonMail-Phantom
Der Wirecard-Richter und dessen fragwürde Andeutungen
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Das ProtonMail-Phantom

Stellen Sie sich vor: Mitten im Wirecard-Gerichtssaal, während eine Zeugin ihrem Kleinkind Apfelbrei verabreicht – eine Pause, die mehr Unterhaltung bot, als mancher Netflix-Thriller. Der Richter erkundigt sich, ob die Verteidigung überhaupt noch Interesse an der Suche nach einem anonymen Hinweisgeber habe, der Jahre zuvor wichtige Informationen per ProtonMail an den Angeklagten von Erffa gesandt hatte.

Erstaunlich, dass Richter Födisch erst jetzt, am 178. Prozesstag im Münchener Stadelheim-Gefängnis und wenige Monate vor einem ersichtlichen Anfang vom Ende des Mammut-Strafverfahrens, plötzlich von sich aus auf diesen Antrag zu sprechen kommt. Ein Rechtshilfeersuchen in die Schweiz, Sitz von ProtonMail sowie deren Email-Server, könnte eventuell die Identität des Hinweisgebers klären. Doch der vorsitzende Richter Markus Födisch lehnt sich nun, nach monatelanger Inaktivität bezüglich des Antrages, ans Mikrofon und bemerkt mit einem Hauch von abwertendem Spott, laut genug für alle vernehmbar im Saal:

Die sitzen ja jetzt in der Schweiz, nicht mehr in Russland !

Richter Födisch am 3. Dezember 2025 im Stadelheimer Gefängnis-Gerichtsaal

Nur wenige Zuhörer im Saal lachen kurz auf, die gesamte Ansammlung der 4 bis 5 anwaltlichen Strafverteidiger nehmen diesen Satz nach den vielen Prozessjahren nicht einmal mehr wahr, und bleiben völlig inaktiv. Die richterliche Implikation: ProtonMail hätte früher russische Wurzeln gehabt und sei nun "nur noch" in der Schweiz – eine Andeutung, die den Email-Dienst etwas zwielichtig wirken lässt. Ein suggerierter, erst kürzlicher Umzug aus dem Putin-Schatten ins Licht etwa? Im Kontext des Wirecard-Skandals, mit den mutmaßlichen Russland-Verbindungen des flüchtigen Ex-Managers Jan Marsalek, wirkt das besonders pointiert. Perfektes Timing für eine richterliche Narrativ-Bombe sozusagen, denn Wirecard hing schließlich ebenso das dunkle, schmuddelige Porno-Geschäft jahrelang an.

Faktencheck: ProtonMail – rein schweizerisch, ohne russische Schatten

ProtonMail wurde 2014 von CERN-Wissenschaftlern in Genf gegründet, mit Sitz und Servern bisher zumindest stets in der Schweiz - und neuerdings auch teilweise Deutschland. Mitte Dezember 2025 wurde von ProtonMail verkündet, man werde eventuell wegen aufkommenden "Surveillance Gesetzen" der Schweiz - nicht Russlands - wohl nach Norwegen umziehen. Kein Russland bei ProtonMail, null, nada, njet, weder historisch noch aktuell. Die Äußerung des Richters? Sachlich falsch, sie suggeriert eine russische Inspiration für anonyme Hinweise an einen Angeklagten – eine Narrative, die erneut Fragen nach einer massiven Befangenheit des vorsitzenden Richters weckt.

Richter Födisch legt nach: Ein Rechtshilfeersuchen an die Schweiz?
ProtonMail wurde 2014 von CERN-Wissenschaftlern in Genf gegründet, mit Sitz und Servern bisher zumindest stets in der Schweiz. Kein Russland bei ProtonMail, null, nada, njet, weder historisch noch aktuell.
Sinnlos! Bei ProtonMail könne man "nicht viel machen, da sind sicher keine Logins im anonymen ProtonMail-Konto zu finden". Und da sehr wahrscheinlich VPN im Spiel gewesen sein wird, ist eh alles vorbei. Klingt vertraut? Genau wie bei den Schweizer Zeugen bezüglich vor der Insolvenz abfließenden Wirecard-Geldern. Die Schweiz als ewige Blackbox, unknackbar wie ein Banksafe in Zürich.

Beobachtung aus dem Saal: Ein Muster, das sich dreht wie ein Karussell

Die Liste der gerichtlichen Faux-Pas mit Bezug zur Schweiz ist bereits etwas länger. Zuerst war da die Sache mit der Monterosa Services AG: Die Verteidigung wollte bereits im März 2023 Zeugen vernehmen und Unterlagen beschlagnahmen, weil die Schweizer Firma maßgeblich daran beteiligt gewesen sein soll, mindestens 340 Millionen Euro von Wirecard-Konten bereits vor der Insolvenz in Steuerparadiese umgeleitet zu haben. Zentral für die Klärung der Flows, oder? Aber nein, mehrfach abgelehnt. Ebenso wie etliche Anträge auf Befangenheit der etlichen Richter, Nebenrichter und Ersatzrichter im Strafverfahren. Natürlich verweigern auch Münchner Behörden Durchsuchungen der Büros in der Schweiz – als ob's eine koordinierte Schweigeparty wäre.

Nicht zu vergessen die Bagatellisierung von Zeugen: am 4. April 2025 wurde erneut durch die Verteidigung angefragt, wann endlich eine gerichtliche Vernehmungen per Video von vier bis fünf Schweizern durchgeführt werde. Diese hatten die 340 Millionen Euro an Wirecard-Geldern vor der Insolvenz im Juni 2020 über deren Firmen in der Schweiz, offenbar über die Monterosa Services AG und die ehemalige Credit Suisse, bereits schriftlich bestätigt. Der Richter: „Lästig und wenig gewinnbringend", dies mit Verweis auf bürokratische Hürden wie etlchen Kantons-Anfragen für Videovernehmungen, bei denen man in München im Gericht, Zitat, „eh keine schriftlichen Vermerke machen darf".

Der eBay Laptop mit arabischer Tastatur und die Schweizer Behörden

Und im Kronzeugenverhör? Oliver Bellenhaus, dem das hohe Gericht jahrelang Zeit gab, einen bereits zu Prozessbeginn übermittelten Fragenkatalog der Verteidigung von Erffas nach bald 3 Jahren im Gericht zu beantworten, sprach endlich am 8. Oktober 2025. Dabei teilte Bellenhaus selbst mit, dass er nach dem Wirecard-Crash am 20. Juni 2020 von Dubai nicht direkt nach Deutschland,
Der ebay-Laptop
sondern zuerst für einige Tage in die Schweiz jettete, bevor er sich in München stellte. Dort in der Schweiz wurde im Juni 2020 der Firmen-Macbook des baldigen bayerischen Überkronzeugen angeblich von lokalen Behörden konfisziert, so Bellenhaus.

Auf die richterliche Frage fünf Jahre später am 8. Oktober 2025 im Stadelheimer Gericht „und die Daten?" gabs die lapidare Antwort von Bellenhaus: „Keine Ahnung". Der Verteidiger von Bellenhaus sprang hastig ein und meinte, die Schweizer Behörden hätten nach einem Rechtshilfeersuchen damals auf einmal völlig problemlos und ohne sonderliche Hindernisse die Daten des Macbooks nach München weitergeleitet. Worauf der vorsitzende Richter wiederum meinte, er könne sich an, Zitat, "keinerlei Vermerke oder Dokumente diesbezüglich"  in seiner Riesensammlung von Wirecard-Sachverhalten erinnern. Richter fand dies abschließend, Zitat, "alles ziemlich komisch".

Damit nicht genug, Bellenhaus präsentierte am 8. Oktober 2025 im Gerichtsaal auch noch eine eBay-Verkaufsanzeige, über die seine Frau besagten Macbook verkaufte habe, nachdem der ominöse Rechner von den Schweizer Behörden wieder an Frau Bellenhaus zurückgegeben wurde. Die eBay-Verkaufsanzeige auf dem Gerichtsprojektor zeigte einen Macbook mit arabischer Tastatur.

Das Muster? Der Richter favorisiert Narrativen, Hürden und Spott über echte Relevanz, was fast sämtliche schweizbezogene Punkte betrifft. Ergänzende Stories zu Verstrickungen von Ex-Wirecard-Leuten sowie ehemaligen BaFin-Angestellten wie James Freis, Elisabeth Roegele, Felix Hufeld, plus Dan McCrum und Pav Gill - über Acronis verstrickt mit Monterosa – alles schreit nach mehr Durchblick.

Zudem weiß man endlich, dass Jan Marsalek eben nicht der "russische Spion" war oder ist, wie massenmediale Apparate jahrelang der Öffentlichkeit vorgaukeln: bei der Financial Times hat man endlich zugegeben müssen, dass der geflüchtete Jan Marsalek mehr als ein Jahr nach der Wirecard-Insolvenz im Auftrag des russischen Erzfeindes CIA tätig war - dies während der ehemalige Wirecard-COO offenbar bereits in Russland verweilte.


Vielleicht ist dies alles nur noch der Charme eines Prozesses, der bereits seit Jahren sehr viel mehr Showspektakel als Wahrheitssuche ist. Nastarowje !







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Dieser Artikel wurde vollständig verfasst und geschrieben von Martin Dorsch, akkreditierter, unabhängiger, investigativer Journalist aus Europa. Er arbeitet nicht für ein Unternehmen oder eine Organisation, das/die von diesem Artikel profitieren würde, er berät solche nicht, besitzt keine Anteile an diesen und erhält bis dato auch keine finanziellen Mittel von solchen.


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