Erste Anlegerklage aus den USA
Der allererste Anleger reicht seine Klage gegen Wirecard wegen irreführender Aussagen bei einem US-amerikanischen Bundesbezirkgericht in Los Angeles ein, die Beschwerden richten sich sowohl gegen den Wirecard-Vorstand, als auch gegen die AG selbst.
Dies erfolgt wenige Tage nach den wichtigen Veröffentlichungen der Financial Times von Ende Januar 2019 über Dan McCrum, der gut fünf Monate zuvor Informationen vom Wirecard Asien Finanzchef Pav Gill erhalten hatte.
Zwei US-Investmentunternehmen setzen zu diesem Zeitpunkt bereits auf fallende Wirecard-Aktienkurse im großen Stil: Slate Path Capital, das zu diesem Zeitpunkt 1,5 Prozent des Wirecard-Stammkapitals besitzt, und Odey Asset Management.
Leerverkaufsverbot für Wirecard Aktien
Die deutsche Bankenaufsichtsbehörde BaFin erlässt bis zum 18. April 2019 ein historisch einzigartiges Leerverkaufsverbot auf Wirecard-Aktien, dies um Spekulationen auf fallende Aktienpreise zu unterbinden.
Wirecard übermittelt Ergebnisse an die Staatanwaltschaft München
Wirecard übermittelt das Ergebnis der KPMG-Sonderprüfung vom 27. April 2020 auch und besonders über das Drittpartnergeschäft erstmals an die Staatsanwaltschaft München.
Polizeipräsidium München involviert
Das Polizeipräsidium München befasst sich nach Impuls durch die Staatsanwaltschaft München erstmals mit dem Bericht der Wirtschaftsprüfer vom 27. April 2020.
Effecten-Spiegel reicht Klage ein
Das Anlegermagazin Effecten-Spiegel reicht über die Anwaltskanzlei Tilp beim Landgericht München Klage gegen Wirecard ein, ebenso wird ein erster Antrag auf eine Klage nach dem Kapitalanleger-Musterverfahrensgesetz (KapMUG) beim Oberlandesgericht München gestellt.
Fonds aus Großbritannien stellt Strafanzeige
Ein nicht genannter Fonds aus Großbritannien stellt Strafanzeige wegen Untreue gegen den Wirecard-Vorstand bei der Staatsanwaltschaft München aufgrund von, Zitat, "fehlendem realen Hintergrund von erklärten Geschäften mit Partnern im sogenannten Third-Party-Acquiring (TPA) Geschäft, überteuertem Unternehmenskauf in Indien, Vergabe von ungesicherten Darlehen".
Grundlage der Anzeige ist eine Zusammenfassung des Berichts der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft von Wirecard.
BaFin stellt Strafanzeige
Die deutsche Bankenaufsicht BaFin stellt Strafanzeige gegen den Wirecard-Vorstand wegen Marktmanipulation, dies aufgrund der Wirecard Ad-Hoc Meldungen vom 12. März 2020, sowie vom 22. April 2020, welche irreführende Angaben zur damals laufenden Sonderprüfung gemacht hätten.
Die Staatsanwaltschaft München erwirkt noch am selben Tag ein Ermittlungsverfahren gegen den Wirecard-Vorstand wegen, Zitat, "Anfangsverdachts eines Vergehens nach dem Wertpapierhandelsgesetz".
Durchsuchungsbeschluss für Wirecard
Die Staatsanwaltschaft München erwirkt beim Ermittlungsrichter des Amtsgerichts München am 3. Juni 2020 den Erlass eines Durchsuchungsbeschlusses für die Geschäftsräume der Wirecard AG aufgrund der BaFin-Strafanzeige vom Tag zuvor.
Staatsanwälte besuchen Wirecard
Staatsanwälte der Staatsanwaltschaft München besuchen Wirecard in Aschheim und informieren, dass man ein Ermittlungsverfahren gegen einige Vorstände eröffnet hat, nicht aber gegen die Wirecard AG. Es werden einige Dokumente beschlagnahmt.
Hermes-Tickets Geschäftsinhaber-Verfahren
Die ehemaligen Hermes-Tickets Geschäftsinhaber aus Indien beantragen ein Zivilgerichtsverfahren am Londoner High Court bezüglich der Übernahme durch den Mauritius-basierten EMIF Fonds und Verkauf an Wirecard etwas danach aus dem Jahre 2015.
Wirecard sendet Hinweise an Staatsanwaltschaft München
Eine von Wirecard beauftragte Anwaltskanzlei übermittelt Hinweise an die Staatsanwaltschaft München, dass vermutlich 1,9 Milliarden Euro auf Treuhandkonten in Manila unauffindbar sind und EY deshalb das Testat für 2019 nicht erteilen wird.
Videobotschaft von Wirecard Direktoren
Öffentliche Videobotschaft von Wirecard Direktoren in Aschheim, dass EYs Audit ergeben hat, dass 1,9 Milliarden Euro auf Treuhandkonten in Asien nicht auffindbar sind, Wirecard möglicherweise Opfer eines Betrugs geworden ist.
CEO Dr. Markus Braun abgesetzt
CEO Dr. Markus Braun wird nach Entscheid des Aufsichtsrats unter Vorsitz von Thomas Eichelmann abgesetzt und aus dem Büro geführt. Am selben Tag tritt Interim- und Ersatz-CEO James Freis an, Freis und Braun treffen sich kurz in Aschheim.
Staatsanwälte der Staatsanwaltschaft München befragen am selben Tag Jan Marsalek in der Wirecard-Zentrale in Aschheim. Er wird danach von Wirecard freigestellt und gibt vor, nach Manila fliegen zu wollen, flieht offenbar stattdessen mittels eines Privatjets über Wien nach Minsk.
BaFin stellt Strafanzeige
Die deutsche Bankenaufsicht BaFin stellt Strafanzeige gegen den Wirecard-Vorstand wegen Untreue aufgrund der Mitteilung der Testatverweigerung und Fälschung von Bankbestätigungen.
Wirecard Aktienpreis sinkt rapide
Der Wirecard WDI-Aktienpreis an der Frankfurter Börse sinkt rapide ab und endet zunächst um die 30 Euro an diesem Freitag. Im Handel nach Marktschluss - auch über das kommende Wochenende - wird die Aktie weiter massiv nach unten gedrückt.
SMS Nachricht von Dr. Braun an Thomas Eichelmann
Der ehemalige Wirecard CEO Dr. Markus Braun sendet eine SMS an den Wirecard-Aufsichtsratsvorsitzenden Thomas Eichelmann, dass der ex-CEO "kurzfristig 1 bis 2 Milliarden Euros zusammenbringen kann" an Krediten oder Darlehen aus seinem Netzwerk, falls dies Eichelmann bei dessen Verhandlungen mit den Banken nutzen wolle.
Der Wirecard-Aufsichtsratsvorsitzende gibt den Inhalt dieser SMS nicht an Banken und die BaFin weiter, sondern an die Staatsanwaltschaft München.
Ad-Hoc Meldung von Wirecard
Wirecard gibt eine Ad-Hoc Meldung unter dem neuen CEO James Freis an die Öffentlichkeit, dass, Zitat, "die fehlenden 1,9 Milliarden Euro mit hoher Wahrscheinlichkeit gar nicht existieren".
Die ersten Kleinanleger-Handelsplattformen setzen den Handel von Wirecard-Aktien aus, der Börsenpreis tendiert jetzt gegen 0 Euro. Leerverkäufer machen enorme Gewinne zu diesem Zeitpunkt.
Staatsanwaltschaft stellt Haftbefehl gegen Dr. Markus Braun
Die Staatsanwaltschaft München stellt Abends Haftbefehl gegen den ehemaligen Wirecard CEO Dr. Markus Braun wegen Bilanzbetrug und Manipulation des Börsenpreises.
Man setzt den Haftbefehl einen Tag später um die Mittagszeit gegen eine Kaution in Höhe von 5 Millionen Euro wieder aus, nachdem sich Dr. Braun freiwillig stellte. Dr. Braun muss sich regelmäßig bei der Münchener Polizei melden.
Bayerisches Innenministerium involviert
Offizielles Telefonat zwischen der Regierung von Niederbayern und dem Bayerischen Innenministerium unter Joachim Herrmann mit einer ersten Thematisierung der Wirecard-Vorgänge auf Landesebene. Übermittlung der elektronischen Akte.
Freis informiert den Aufsichtsrat
Wirecard unter dem neuen CEO James Freis informiert früh morgens den Aufsichtsrat, dass die deutsche Bankenaufsicht BaFin die Liquiditätsanforderungen für die Wirecard-Bank erhöht hat, 200 Millionen Euro werden eingefroren.
Der Wirecard AG verbleiben somit noch ca. 130 Millionen Euro.
Ad-Hoc Meldung Insolvenzantrag
Wirecard unter dem neuen CEO James Freis gibt eine Ad-Hoc Meldung heraus, dass man wegen drohender Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung beim Amtsgericht München einen Insolvenzantrag stellen werde.
Viele Massenmedien in Deutschland und Europa berichten fortan, Zitat, "Wirecard ist pleite".
Regierung von Niederbayern nicht zuständig
Nach Prüfung der Daten der Wirecard AG (Einsichtnahme in das Handelsregister, notarielle Satzung der AG, Geschäftsbericht 2018, Halbjahresbericht 2019) verkündet die Regierung von Niederbayern jetzt am 25. Juni 2020 nach mehrmonatigem Austausch seit Februar 2020 mit der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY und dem Bundesministerium der Finanzen, dass die Wirecard AG nicht der Aufsicht der Regierung von Niederbayern unterliegt.
Chefbuchhalter wird vorstellig
Wirecards Chefbuchhalter Stephan von Erffa wird mit seiner Anwältin bei der Staatsanwaltschaft München vorstellig und erklärt dort auch das Drittpartnergeschäft, legt Dokumente vor.
Insolvenzantrag genehmigt
Dem Insolvenzantrag wird am 26. Juni 2020 stattgegeben. Wirecard-Chef James Freis berät sich zu diesem Zeitpunkt bereits mit dem zukünftigen Insolvenzverwalter Michael Jaffé über Insolvenzangelegenheiten.
Jaffé wird vom Wirecard-Gläubigerausschuss am 30. Juni 2020, jedoch nicht vor August 2020 vom Amtsgericht München offiziell benannt werden.
Wirecard mit seinen 50 weltweiten, teils hoch-profitablen Tochterunternehmen wird danach vollständig in die Insolvenz getrieben. Alleine Wirecard Nordamerika wird Jahre später von einem Wirtschaftsgutachter im Münchener Strafgerichtsverfahren mit 450 Millionen Euro bewertet, die zur AG gehörende Wirecard Aquiring and Issuing sogar mit 860 Millionen Euro.
BlackRock steigt aus
Die US-amerikanische Investmentbank BlackRock Inc. senkt ihre Direktbeteiligung an der Wirecard AG auf 0,94 Prozent der Stimmrechte deutlich, nachdem man diese nur einen Tag zuvor am 25. Juni 2020 von 2,89% auf 3,39% noch aufgestockt hatte.
Staatsanwälte und Polizei durchsuchen Wirecard AG
Staatsanwälte der Staatsanwaltschaft München lassen die Geschäftsräume der Wirecard AG durchsuchen mit 33 Polizeibeamten, darunter IT Experten.
Oliver Bellenhaus stellt sich der Staatsanwaltschaft München
Der Wirecard-Geschaäftsführer aus Dubai Oliver Bellenhaus stellt sich der Staatsanwaltschaft München und wird in Untersuchungshaft in das Münchener Stadelheim-Gefängnis gesteckt. Er übergibt den Staatsanwälten einen Koffer voll mit Dokumenten.
Handy-Telefone oder Laptops werden nicht beschlagnahmt, Bellenhaus muss bei Hafteinlassung auch keinerlei Geldeinkünfte angeben, Einnahmen werden ebenso nicht aufgezeichnet oder konfisziert. Er wird kurz von Münchener Staatsanwälten vernommen.
Hermes-Tickets Geschäftsinhaber-Verfahren
Der Entscheid im durch die ehemaligen Hermes-Tickets Geschäftsinhaber aus Indien beantragten Gerichtsverfahren am Londoner High Court bezüglich der Übernahme durch den Mauritius-basierten EMIF Fonds und Verkauf an Wirecard wird verkündet.
Der Londoner Richter lehnt die Forderungen der Kläger mit der wesentlichen Begründung ab, dass, Zitat, "EMIF wurde von der renommierten Anwaltskanzlei Linklaters [aus Moskau] beraten".
Financial Intelligence Unit übermittelt Meldung
Die FIU-Geldwäsche-Einheit des deutschen Zolls übermittelt eine Geldwäschemeldung betreffend Oliver Bellenhaus' eigener Levantine Stiftung in Liechtenstein an das Kriminalkommissariat 72 München und auch an die Staatsanwaltschaft München.
Vernehmung von Oliver Bellenhaus
Oliver Bellenhaus wird in den Räumen der Staatsanwaltschaft München stundenlang vernommen. Leitende Oberstaatsanwältin ist Hildegard Bäumler-Hösl, die einspringt, da Oberstaatsanwalt Matthias Bühring im Sommerurlaub ist. Bühring ist offenbar erst wieder am 20. Juli 2020 im Büro.
Ausführung der Haftbefehle
Durchführung der Haftbefehle gegen Dr. Markus Braun, Burkhard Ley, sowie Stephan von Erffa früh morgens. Alle werden inhaftiert.
Pressebotschaft der Staatsanwaltschaft München
Die Sprecherin der Staatsanwaltschaft München tritt vor die Press und erläutert die Haftbefehle aufgrund der Darlegungen des von der Staatsanwaltschaft München nun bestimmten Kronzeugen Oliver Bellenhaus.
Sie erklärt, dass, Zitat, "Wirecards Drittpartnergeschäft zumeist in Asien weitgehend gefälscht und erfunden gewesen" sein soll.